Seit Bestehen des FC Rot-Weiß Erfurt klagte der Club über die zu wenig vorhandenen Trainings- und Wettkampfplätze für alle Mannschaften. Schließlich schlug die Stadt Erfurt im Jahr 1968 in einem Schreiben an den Rat des Bezirkes vor, dass der FC Rot-Weiß Erfurt im sogenannten Cyriaksgebreite nordwestlich der damaligen IGA auf einer Fläche von ca. 25 Hektar ein eigenes Leistungssportzentrum erhält.

Nachdem dann 1972 die grundlegende Entscheidung für den Bau des Fußballzentrums fiel, dauerte es noch weitere vier Jahre für erste konkrete Bauplanungen und weitere zwei Jahre, bis die notwendigen Investitionssummen in die Haushaltsplanungen eingestellt wurden. Es war vorgesehen, fünf große und zwei kleine Rasenplätze, einen Hartplatz und ein Funktionsgebäude zu errichten. Erst Ende 1979 wurde schließlich mit den ersten zwei Rasenplätzen, dem Hartplatz und einem Teil des Umkleidetrakts ein erster Teil der Anlage erbaut. 1980 wurde die Anlage mit dem Bau von zwei weiteren Rasen- und einem Hartplatz weiter vervollständigt. Insgesamt wurden für die Anlage etwa 12 Millionen Mark investiert.

Nunmehr standen dem FC Rot-Weiß Erfurt an dieser Stelle insgesamt sechs Fußballplätze zur Verfügung, zwei weitere sollten 1981 folgen. Der Ausbau des Sozialtrakts wurde noch 1980 begonnen und Ende 1982 abgeschlossen. In der Anlage wurde für den FC Rot-Weiß extra eine Physiotherapie errichtet und eine dort installierte Gaststätte sicherte die Verpflegung der Sportler ab.

Hatte man nunmehr ausreichende Platzanlagen für alle Männer- und Nachwuchsmannschaften, so stellte sich schnell eine Reihe von Problemen heraus. Fehlende Fangnetze, die mangelhafte Ausstattung der Räume u.a.m. ließen sich vergleichsweise schnell beheben, aber das Problem des Transports war weitaus gravierender. Bis auf die Oberligamannschaft und die Kindermannschaften, die weiterhin auf den beschränkten Anlagen im Stadiongelände trainierten, mussten in erster Linie die Nachwuchsmannschaften zwischen dem Standort der Kinder- und Jugendsportschule (KJS) Erfurt in unmittelbarer Nähe des Stadions und dem Cyriaksgebreite transportiert werden. Es wurde zunächst ein Fahrdienst mit Bussen, dann mit einem Transporter eingerichtet. Das funktionierte aber nicht wie gewünscht, da die Trainings- und Schulzeiten der verschiedenen Jahrgänge zu unterschiedlich waren.

Der Alltag der im Internat der KJS wohnenden Fußballer sah dann so aus, dass am Morgen mit der Straßenbahn einmal quer durch die Stadt zum Cyriaksgebreite gefahren wurde, dort wurde trainiert, dann ging es zurück zur KJS, dort Schule, dann wieder zum Training in das Cyriaksgebreite. War mit Beginn der 80-er Jahre das Problem der Trainingsplätze gelöst, so war es hinsichtlich der immensen zeitlichen Belastung der Schüler nicht. Jeden Tag benötigten die Fußballer etwa 75 Minuten, um zwischen Schule, Internat und Trainingsplätzen zu pendeln - letztlich viel Zeit, die bei der effektiven Tagesauslastung verloren ging.


entnommen und gekürzt aus: Michael Kummer: Die Fußballclubs Rot-Weiß Erfurt und FC Carl Zeiss Jena und ihre Vorgänger in der DDR. Ein Vergleich ihrer Bedingungen, in: Publikationsserver der Universität Potsdam, URL: http://opus.kobv.de/ubp/volltexte/2011/5106/ vom 14.06.2011.