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Im Zuge der wachsenden Popularität der Sportart kam es 1895 zur Gründung des Cricket Club Erfurt. Schon ein Jahr später erfolgte die Namensänderung in Sport-Club Erfurt 1895.Der S.C.E. war im wohlhabenden Bürgertum verwurzelt, das vorzugsweise im Südwesten der Stadt wohnte. Schnell konnte der S.C.E. die Fußballbewegung über die Stadtgrenzen hinaus prägen. Dies zeigt sich nicht zuletzt daran, dass die einzigen Thüringer Vertreter bei der Gründungsversammlung des DFB am 28. Januar1900 in Leipzig vom Sport-Club Erfurt1895 und FC Germania 1899 Mühlhausen kamen.

Um 1900 kam es auch in Erfurt zu vielen weiteren Neugründungen.Lange besaß jedoch der Sport-Club eine dominante Stellung: Von 1903 bis1909 wurde er Gaumeister Thüringens. Die Gauliga wurde als erster regelmäßiger Spielbetrieb ausgerichtet. Nachdem der Sport-Club 1908 erstmals an der Endrunde um die Mitteldeutsche Meisterschaft teilnehmen durfte, gewann er diese am 9. Mai 1909 in Leipzig mit einem 5:4 im Finale gegen den Halleschen Fußballclub von 1896 (heute VfL Halle 96). Nun nahm der S.C.E. an der Endrunde der acht regionalen Titelträger um die Deutsche Meisterschaft teil. Dort gelangte man ins Halbfinale am 23. Mai 1909 in Frankfurt/M. gegen den späteren Deutschen Meister FC Phönix Karlsruhe (1:9).

Bei den folgenden acht Teilnahmen an der Mitteldeutschen Meisterschaft rückte der Club 1910 nochmals ins Finale und danach mehrfach ins Halbfinale vor. 1909 erfolgte die Einrichtung einer Gauliga Nordthüringen. Auch dort wurde der Sport-Club Erfurt 1910, 1911, 1912,1914, 1917 und 1918 Meister.

Seit 1910 spielte er im eigenen Sportpark auf dem heutigen egapark-Gelände im gutbürgerlichen Südwesten. Dazu trug maßgeblich der jüdische Schuhfabrikant und Ehrenvorsitzende Alfred Hess bei. Der Sportpark wurde bis 1921 zu einem Stadion mit überdachter Tribüne großzügig ausgebaut. Im Ersten Weltkrieg 1914–1918 trug man Kriegsgaumeisterschaften aus. Das Endspiel am 17. Mai 1917 gewann der S.C.E. gegen den 1. SV Jena 2:1. Das gleiche Finale ein Jahr später konnte Jena mit 3:1 für sich entscheiden. Hier scheint bereits die wechselnde Vorherrschaft jener beiden Traditionsvereine in Thüringen schlaglichtartig auf, aus denen Rot-Weiß Erfurt und Carl Zeiss Jena hervorgehen sollten.

Nach dem Krieg wurden wieder Mitteldeutsche Meisterschaften ausgetragen. Jetzt dominierten Mannschaften aus Dresden, Leipzig und Halle. Der nicht mehr zur absoluten Spitze zählende S.C.E. lief weiter in seinem Sportpark auf und dachte auch angesichts überschaubarer Zuschauerzahlen nicht an einen Umzug in die neue Mitteldeutsche Kampfbahn. Das Stadion war als eines der Großprojekte der „Goldenen Zwanziger“ am 17. Mai 1931 eröffnet worden. Erst ab 1950 sollte das nunmehrige Georgij-Dimitroff-Stadion, seit 1991 Steigerwaldstadion, zur Heimstatt von Turbine und RWE werden.

Die Zahl der Sport-Club-Mitglieder in zahlreichen Sportarten stieg in den 1920er-Jahren auf bis zu 1.300 beständig an. Der Club war damit einer der größten Vereine im mitteldeutschen Raum. So konnte er 1924 an der Ecke Rudolf- und Heinrichstraße ein eigenes „Clubhaus Cyriaksburg“ nahe dem Sportparkerrichten. Das spätere Kulturhaus des VEB Funkwerk Erfurt beherbergt heute eine Kirchgemeinde.

Noch sechsmal gewannen die Erfurter die Meisterschaft in der Kreisliga Thüringen (1919, 1920) und in der Gauliga Nordthüringen (1924, 1927,1932, 1933). Maßgeblich mit hierfür verantwortlich zeichnete Hans Carl, der spätere Turbine-Meistertrainer. Der Erfurter kickte seit seinem 15. Lebensjahr beim Sport-Club und kam auf über 700 Einsätze als Torwart, Verteidiger, Mittelläufer und Stürmer. Er verkörpert beispielhaft die Traditionslinie vom S.C.E. zu Turbine und RWE.

Allerdings büßte der Verein seine Dominanz allmählich ein, er musste sich vor allem des großen Rivalens SpVgg Erfurt erwehren. Der Verein aus der nördlichen Arbeitervorstadt wurde 1922 Thüringer Kreismeister und fünfmal Nordthüringer Gaumeister (1916, 1925, 1926, 1929,1930). Auch der am Johannesplatz beheimatete VfB Erfurt (bis 1915 FC Britannia) konnte 1928 einen Gaumeistertitel feiern.

Im Dritten Reich wurde 1933 die Gauliga Mitte als eine von 16 obersten Ligen gebildet. Der Sport-Club Erfurt gehörte aber nicht mehr zur Spitze und stieg 1936 erstmals ab. Hierauf folgten mehrfach Auf- und Abstiege, ab 1941 konnte man sich im Mittelfeld der Liga etablieren. Freilich warf nun der Zweite Weltkrieg 1939–1945 seine Schatten über den Sport: Die Saison1944/45 kam nach wenigen Spieltagen zum Erliegen.

Nach Kriegsende im Mai 1945 blieben Wettkämpfe zunächst verboten. Am 12. April 1945 von der US-Armee besetzt, kam Erfurt am 3. Juli 1945 zur Sowjetischen Besatzungszone, aus der 1949 die DDR hervorging. Auf Anordnung der Alliierten wurde der Sport-Club Erfurt 1895 wie alle bisherigen Vereine zum 1. Januar 1946 aufgelöst.



Text: Dr. Steffen Raßloff und Dr. Michael Kummer
Fotos: Archive FC Rot-Weiß Erfurt, Olaf Schwertner, Kurt Gaida

erschienen auch im 1966er, dem Magazin über den FC Rot-Weiß Erfurt, Sonderausgabe anlässlich des 60. Geburtstags des FC Rot-Weiß Erfurt, hrsg. vom Fanrat Rot-Weiß Erfurt e.V.

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